Die Venus wird oft als „böser Zwilling“ der Erde bezeichnet. Mit einer Oberflächentemperatur von fast 470°C und einem atmosphärischen Druck, der dem in 900 Metern Meerestiefe entspricht, stellt sie die Raumfahrt vor beispiellose technologische Herausforderungen. Dennoch ist die Geschichte der Venus-Missionen eine der erfolgreichsten und spannendsten Kapitel der interplanetaren Forschung.
Die frühen Erfolge: Mariner und Venera
Der Wettlauf zur Venus begann in den 1960er Jahren. Die NASA-Sonde Mariner 2 war 1962 das erste menschengemachte Objekt, das erfolgreich an einem anderen Planeten vorbeiflog und bestätigte, dass die Venus eine extrem heiße Welt ohne schützendes Magnetfeld ist.
Die Sowjetunion feierte mit dem Venera-Programm ihre größten Triumphe. Trotz zahlreicher Rückschläge gelang es Venera 7 im Jahr 1970, die erste weiche Landung auf einem anderen Planeten durchzuführen. Die Sonde überlebte nur 23 Minuten unter der enormen Hitze, lieferte aber die ersten direkten Daten von der Oberfläche. 1975 sendete Venera 9 die ersten Schwarz-Weiß-Bilder der Venusoberfläche zur Erde – eine technische Meisterleistung, da die Kamera unter den extremen Bedingungen der Atmosphäre funktionieren musste.
Die Ära der Kartierung: Magellan
In den 1990er Jahren veränderte die NASA-Sonde Magellan unser Verständnis der Venus grundlegend. Da die dichte Wolkendecke optische Kameras unbrauchbar macht, nutzte Magellan Radar, um 98 % der Oberfläche zu kartieren. Die Mission enthüllte eine Welt voller Vulkane, riesiger Lavaebenen und komplexer tektonischer Strukturen, was die Frage aufwarf, ob die Venus heute noch geologisch aktiv ist.
Moderne Missionen: Venus Express und Akatsuki
Im 21. Jahrhundert konzentrierte sich die Forschung auf die komplexe Dynamik der Atmosphäre. Die ESA-Sonde Venus Express (2006–2014) untersuchte den Treibhauseffekt und entdeckte Hinweise auf möglichen aktiven Vulkanismus. Die japanische Sonde Akatsuki umkreist den Planeten seit 2015 und liefert kontinuierlich Daten über die gewaltigen Windgeschwindigkeiten in der oberen Atmosphäre.
| Mission | Agentur | Zeitraum | Fokus |
| Venera 7 | UdSSR | 1970 | Erste erfolgreiche Landung |
| Magellan | NASA | 1989–1994 | Globale Radarkartierung |
| Venus Express | ESA | 2005–2014 | Atmosphärenanalyse |
| DAVINCI | NASA | Geplant 2029 | Chemische Zusammensetzung |
Die Zukunft der Venuserforschung
Nach einer langen Pause steht eine Renaissance der Venus-Missionen bevor. Mit DAVINCI und VERITAS plant die NASA zwei komplementäre Missionen, die sowohl die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre als auch die Topographie in bisher ungekannter Auflösung untersuchen werden. Die ESA wird mit EnVision folgen, um die Wechselwirkung zwischen dem Planeteninneren und der Atmosphäre zu entschlüsseln.
Die Erforschung der Venus ist entscheidend, um zu verstehen, warum sich zwei so ähnliche Planeten wie Erde und Venus so dramatisch unterschiedlich entwickelt haben. Sie liefert uns zudem wertvolle Erkenntnisse über den Klimawandel und die Bewohnbarkeit von Exoplaneten.
