Die Juno Mission und die Erforschung des Jupiters
Auch zu Beginn des Jahres 2026 erweist sich die NASA-Raumsonde Juno als einer der widerstandsfähigsten Entdecker in der Geschichte der Raumfahrt. Ursprünglich sollte ihre Mission bereits vor Jahren enden, doch diese solarbetriebene Raumsonde ist noch immer in der lebensfeindlichen Umgebung des Jupiters aktiv und schreibt unsere Lehrbücher der Planetenwissenschaft neu. Während der kürzlich gestartete Europa Clipper noch auf seiner langen Reise ist, fungiert Juno bereits heute als Raumsonde bei Jupiter.
Die Juno Mission
Juno startete 2011 und erreichte den Jupiter im Juli 2016. Die Sonde stand vor einer einzigartigen Herausforderung: Jupiter besitzt das stärkste Magnetfeld aller Planeten, das geladene Teilchen einfängt und Strahlungsgürtel erzeugt, die millionenfach intensiver sind als die der Erde. Um zu überleben, umkreist Juno den Planeten nicht am Äquator wie frühere Missionen. Stattdessen fliegt sie in hochelliptischen polaren Umlaufbahnen.
Die Sonde taucht vom Nordpol zum Südpol und fliegt dabei nur wenige tausend Kilometer über die Wolkendecke, näher als jedes Raumschiff zuvor, Bevor sie weit in den Weltraum ausschwingt, um der schlimmsten Strahlung zu entgehen. Trotz dieser cleveren Flugbahn befindet sich die empfindliche Elektronik in einem „Strahlungstresor“, einer 180 Kilogramm schweren Titan-Box.
Ein neuer Blick auf Jupiter
Vor Juno glaubten Wissenschaftler, Jupiter habe einen kleinen, dichten Gesteinskern. Junos Schwerkraftmessungen widerlegten diese Theorie. Die Daten deuten auf einen „verdünnten“ oder „verwaschenen“ Kern hin, in dem Gestein und schwere Elemente im metallischen Wasserstoffmantel aufgelöst sind. Dieser Kern erstreckt sich über fast die Hälfte des Planetenradius, was auf eine gewaltsame Entstehungsgeschichte hindeutet – möglicherweise eine massive Kollision mit einem Protoplaneten in der Frühzeit des Sonnensystems.
In der Atmosphäre entdeckte Juno zudem ein bizarres Wetterphänomen: „Mushballs“ (Matschbälle). Hoch in den Wolken schmilzt Ammoniakgas Wassereiskristalle und erzeugt eine Art matschigen Hagel. Diese Ammoniak-Wasser-Hagelkörner fallen tief in die Atmosphäre und entziehen den oberen Schichten Ammoniak. Dieser Prozess treibt auch „flache Blitze“ an – elektrische Entladungen, die viel höher in der Atmosphäre auftreten, als man bisher für möglich hielt.
Die erweiterte Juno Mission: Eine Tour zu den Monden
Nach Abschluss ihrer primären Ziele ist Juno in eine „Erweiterte Mission“ übergegangen und wurde effektiv zu einem Mond-Explorer. Durch Anpassung ihrer Umlaufbahn führte die Sonde gewagte Vorbeiflüge an den drei größten Monden durch:
- Ganymed: Juno lieferte die ersten Nahaufnahmen im Infrarotbereich und vermaß das einzigartige Magnetfeld des größten Mondes im Sonnensystem.
- Europa: Im Januar 2026 veröffentlichten Forscher neue Analysen basierend auf Juno-Daten, die zeigen, dass Europas Eiskruste in bestimmten Regionen etwa 29 Kilometer dick ist. Diese Daten sind von unschätzbarem Wert für die Europa Clipper Mission, da sie helfen, dünnere Eisregionen zu identifizieren.
- Io: In den Jahren 2023 und 2024 führte Juno extrem nahe Vorbeiflüge am Vulkanmond Io durch. Sie lieferte die hochauflösendsten Bilder von Lavaseen und Vulkanfahnen, die je aufgenommen wurden, und zeigte eine Oberfläche, die durch geschmolzenen Schwefel und Silikatgestein ständig erneuert wird.
Was kommt als Nächstes?
Stand Januar 2026 ist Juno weiterhin operativ. Missionsplaner prüfen derzeit eine zweite Missionserweiterung, die die Sonde in das innere Heiligtum des Jupitersystems führen würde, um das schwache Ringsystem und die kleinen inneren Monde wie Amalthea zu erforschen. Schließlich wird Juno jedoch ein dramatisches Ende finden. Um die strengen „Planetary Protection“-Protokolle einzuhalten, wird die Sonde kontrolliert in die Jupiteratmosphäre gesteuert und dort verglühen. Dies garantiert, dass sie niemals versehentlich auf dem potenziell bewohnbaren Mond Europa abstürzt und diesen mit irdischen Mikroben kontaminiert.
Bis zu diesem letzten Tauchgang bleibt Juno die aktive Raumsonde bei Jupiter.