Unser nächster Stern, die Sonne, beweist eindrucksvoll, dass sie auch nach dem offiziellen Maximum des Sonnenzyklus 25 Ende 2024 noch lange nicht zur Ruhe gekommen ist. Für Beobachter des Weltraumwetters waren die letzten 48 Stunden schlichtweg spektakulär: Eine neue Sonnenfleckengruppe ist auf der Sonnenscheibe erschienen – die Region AR4366. Diese komplexe magnetische Struktur hat sich in kürzester Zeit von einem winzigen Punkt zu einer massiven aktiven Region entwickelt, die fast zehnmal so breit wie die Erde ist und bereits eine Serie Sonneneruptionen ausgelöst hat.
Das Verständnis dieser Phänomene ist längst nicht mehr nur etwas für Astrophysiker. Da unsere Gesellschaft immer stärker von Satellitentechnologie und globalen Stromnetzen abhängig ist, ist das „Weltraumwetter“ zu einem entscheidenden Teil unserer täglichen Vorhersage geworden.

Was ist eine Sonneneruption?
Eine Sonneneruption (Solar Flare) ist eine gewaltige Explosion auf der Oberfläche der Sonne. Diese Ereignisse treten auf, wenn sich die intensiven Magnetfeldlinien in der Sonnenatmosphäre – insbesondere um Sonnenflecken herum – verdrehen und plötzlich reißen oder sich neu verbinden. Dieser Prozess, bekannt als magnetische Rekonnektion, setzt eine Energiemenge frei, die der Explosion von Millionen von Wasserstoffbomben gleichzeitig entspricht.
Eruptionen senden ein breites Spektrum an Strahlung aus, von Radiowellen bis hin zu Röntgen- und Gammastrahlen. Da sich diese Strahlung mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, erreicht sie die Erde in etwas mehr als acht Minuten.

Die Klassifizierung von Flares
Um die Intensität dieser Ausbrüche zu kommunizieren, verwendet die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) ein buchstabenbasiertes System:
- C-Klasse: Kleine Ereignisse mit kaum spürbaren Auswirkungen auf die Erde.
- M-Klasse: Mittelschwere Eruptionen, die kurze Radio-Blackouts in den Polarregionen und kleinere Strahlungsstürme verursachen können.
- X-Klasse: Die „Schwergewichte“. Dies sind Großereignisse, die weltweite Funkstörungen und lang anhaltende Strahlungsstürme auslösen können.
Im Rampenlicht: AR4366 – Eine Gefahr der „Delta-Klasse“
Anfang Februar 2026 richteten sich alle Augen auf die Region 4366. Daten von SpaceWeatherLive und dem NOAA Space Weather Prediction Center (SWPC) zeigen, dass diese Gruppe zu Beginn des Monats noch gar nicht existierte. Ihr Wachstum war außergewöhnlich rasant – ein Merkmal, das oft mit extremer Instabilität einhergeht.
AR4366 besitzt derzeit ein Magnetfeld der „Delta-Klasse“. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass die positiven und negativen magnetischen Pole innerhalb der Fleckengruppe so eng beieinander liegen, dass es fast zwangsläufig zu explosiven Entladungen kommt.

Aktuelle Ereignisse (1.–2. Februar 2026)
Die Region ist ihrem gefährlichen Ruf bereits gerecht geworden. Am 1. Februar produzierte AR4366 eine kraftvolle Serie von drei aufeinanderfolgenden Flares (M7, X1 und M6), die über sechs Stunden anhielten. Darauf folgten noch stärkere Eruptionen:
- X8.1 Flare: Dieser erreichte seinen Höhepunkt spät am 1. Februar (23:44 UTC) und wurde als „starkes“ R3-Ereignis eingestuft. Er verursachte sofortige Kurzwellen-Radio-Blackouts über dem Pazifik, was den Flug- und Schiffsverkehr beeinträchtigte.
- X2.9 Flare: Nur knapp eine Stunde später feuerte die Region erneut und bombardierte denselben Sektor der Erdatmosphäre mit hochenergetischen Photonen.
Weltraumwetter und seine Auswirkungen
Während das „Wetter“ auf der Erde Regen und Wind bedeutet, beschreibt Weltraumwetter die Bewegung von Energie und Materie durch das Sonnensystem. Es gibt drei Hauptwege, wie ein Sonnensturm aus einer Region wie AR4366 die Erde beeinflussen kann:
1. Radio-Blackouts (R-Skala)
Wenn Röntgenstrahlen einer Eruption auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre (die Ionosphäre) treffen, ionisieren sie das Gas und machen es viel dichter. Dies „verdickt“ die Schicht, die normalerweise Hochfrequenz-Radiowellen reflektiert. Anstatt reflektiert zu werden, werden die Signale absorbiert. Dies führt zu Funkstörungen, wie sie kürzlich über Südamerika, Afrika und dem Pazifik beobachtet wurden.
2. Solare Strahlungsstürme (S-Skala)
Manchmal beschleunigt eine Eruption Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit. Diese „energetischen Teilchen“ können die Abschirmung von Satelliten durchdringen und elektronische Fehler verursachen. Zudem stellen sie ein Gesundheitsrisiko für Astronauten und Passagiere auf Langstreckenflügen in Polarnähe dar.
3. Geomagnetische Stürme (G-Scale)
Die bekannteste Folge des Weltraumwetters ist die Aurora (Polarlichter). Wenn eine Eruption von einem koronalen Massenauswurf (CME) – einer massiven Wolke aus Sonnenplasma – begleitet wird, dauert es 1 bis 3 Tage, bis diese die Erde erreicht. Dort bringt sie das Magnetfeld der Erde zum Schwingen. Während dies wunderschöne Polarlichter erzeugt, kann ein extrem starker G5-Sturm Ströme in Stromleitungen induzieren, die Transformatoren beschädigen und zu Stromausfällen führen können.
Sonnenzyklus 25: Die Phase nach dem Maximum
Die Aktivität von AR4366 ist ein typisches Zeichen für den Sonnenzyklus 25. Etwa alle 11 Jahre kehrt sich das Magnetfeld der Sonne komplett um – ein Übergang vom ruhigen solaren Minimum zum Maximum. Aktuelle Prognosen der NOAA deuten darauf hin, dass wir uns derzeit in der Phase nach dem Maximum befinden, in der die Aktivität bis weit in das Jahr 2026 hinein erhöht bleiben kann. Wir können also mit weiteren Regionen wie AR4366 rechnen, die häufige X-Klasse-Flares und Polarlichter bis in mittlere Breiten bringen können.
Überwachung von AR4366
Da AR4366 weiter über die Sonnenscheibe rotiert, befindet sie sich in einer „Strike Zone“, von der aus jede weitere Eruption einen direkten Weg zur Erde haben könnte. Für Enthusiasten und Profis sind Portale wie SpaceWeatherLive.com und das NOAA Enthusiast Dashboard unverzichtbare Werkzeuge, um diese Entwicklungen in Echtzeit zu verfolgen.
Die Kraft der Sonne ist eine ständige Mahnung an unsere Verwundbarkeit in einer hochtechnisierten Welt, aber sie ist auch eine Quelle unglaublicher natürlicher Schönheit. Eines ist sicher: Die Show am Himmel ist noch lange nicht vorbei.
