AR4366 explodiert: X8.1 Flare und die Physik der Polarlichter (Update Feb 2026)

Wir schreiben den Februar 2026, und die Sonne hat soeben eines der stärksten Signale des aktuellen Sonnenzyklus gesendet. Die aktive Region AR4366 – ein gigantischer Sonnenfleck, der sich in den letzten Tagen rasant entwickelt hat – ist förmlich explodiert.

Update 04.02.2026: AR4366 bleibt aktiv und produzierte gestern einen weiteren X1.5 Flare.

Am 1. Februar registrierten Satelliten einen gewaltigen X8.1 Flare, gefolgt von weiteren Ausbrüchen der X-Klasse. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Ein X-Flare ist die stärkste Kategorie von Sonneneruptionen, und ein Wert von 8.1 katapultiert dieses Ereignis in die absolute Spitzenklasse. AR4366 besitzt derzeit ein extrem instabiles „Delta-Magnetfeld“, bei dem gegensätzliche magnetische Pole so nah beieinander liegen, dass ein „Kurzschluss“ (Magnetische Rekonnexion) fast unvermeidlich ist.

Was kommt auf uns zu? (CME Update)

Während der Lichtblitz des Flares die Erde bereits nach 8 Minuten erreichte und für Funkausfälle über dem Pazifik sorgte, ist der eigentlich spannende Teil noch unterwegs: der Koronale Massenauswurf (CME). Diese Plasmawolke rast derzeit durch das All und wird voraussichtlich um den 5. Februar das Erdmagnetfeld erreichen. Prognosen deuten auf einen „Streifschuss“ oder direkten Treffer hin, der geomagnetische Stürme der Klasse G3 (stark) oder höher auslösen könnte.

Die Wissenschaft des Leuchtens: Ein Blick in die Quantenmechanik

Wenn dieser Sonnensturm eintrifft, hoffen wir auf Polarlichter. Aber statt nur „Wow“ zu sagen, lohnt es sich, die physikalischen Prozesse zu verstehen. Die Farben der Aurora sind nämlich kein Zufall, sondern ein direkter Fingerabdruck der chemischen Zusammensetzung unserer Atmosphäre in verschiedenen Höhen.

Die Farben entstehen, wenn geladene Teilchen (Elektronen) des Sonnenwinds auf Gasatome in der Erdatmosphäre prallen und diese „anregen“. Wenn die Atome sich wieder beruhigen, senden sie Licht aus.

1. Das klassische Grün (Sauerstoff)

Die häufigste Farbe ist ein helles Grün (557,7 nm).

  • Verursacher: Atomarer Sauerstoff.
  • Höhe: Etwa 100 bis 300 km.
  • Der Prozess: Wenn ein Sauerstoffatom angeregt wird, braucht es etwa 0,7 Sekunden, um das grüne Licht auszusenden. Das klingt schnell, ist aber in der Quantenwelt eine Ewigkeit. In tieferen Luftschichten ist die Dichte so hoch, dass das Sauerstoffatom mit anderen Teilchen zusammenstößt und seine Energie verliert, bevor es leuchten kann. Nur in dieser spezifischen Höhe ist die Balance aus „genug Sauerstoff“ und „genug Ruhe“ perfekt.

2. Das seltene Blutrot (Sauerstoff)

Bei extrem starken Stürmen – wie wir sie durch AR4366 erwarten könnten – sehen wir oft ein diffuses rotes Leuchten über dem grünen Bogen.

  • Verursacher: Ebenfalls Sauerstoff.
  • Höhe: Über 300 km (sehr hoch).
  • Der Prozess: Hierbei handelt es sich um einen anderen energetischen Übergang des Sauerstoffs, der unglaubliche 110 Sekunden dauert. Das Atom muss fast zwei Minuten lang ungestört bleiben, um dieses rote Licht auszusenden. Das ist nur am Rande des Weltalls, im fast vollständigen Vakuum, möglich.

3. Violett und Pink (Stickstoff)

Wenn der Sonnensturm besonders aggressiv und schnell ist (hohe kinetische Energie), dringen die Teilchen tiefer in die Atmosphäre ein, unter 100 km.

  • Verursacher: Molekularer Stickstoff (N2).
  • Farbe: Ein Mix aus Blau und Rot, der für unser Auge als Pink oder Violett erscheint.
  • Der Indikator: Wenn Sie einen violetten Saum am unteren Rand der Vorhänge sehen, wissen Sie: Das ist ein hochenergetisches Ereignis. Stickstoff reagiert sofort (ohne Verzögerung), weshalb diese Farben oft sehr dynamisch und schnell flackern.

Fazit und Ausblick

AR4366 hat uns gezeigt, dass der Sonnenzyklus noch lange nicht zu Ende ist. Die kommenden Nächte bieten nicht nur die Chance auf ein Naturschauspiel, sondern auf eine Live-Demonstration von Plasmaphysik.