Die New Horizons Mission: Aufbruch in die eisigen Weiten des Sonnensystems und zum Pluto

Als die NASA-Raumsonde New Horizons am 19. Januar 2006 an Bord einer Atlas-V-Rakete ins All startete, begann ein neues Kapitel der Raumfahrtgeschichte. Ihr primäres Ziel war ein Himmelskörper, der damals noch als der neunte Planet unseres Sonnensystems galt: Pluto. Die New Horizons Mission wurde entwickelt, um die letzten großen weißen Flecken auf der Landkarte unseres Planetensystems zu tilgen und die geheimnisvolle Welt der Zwergplaneten im äußeren Sonnensystem zu erforschen.

Der lange Weg zum Zwergplaneten Pluto

Um die immense Entfernung von rund 5 Milliarden Kilometern in akzeptabler Zeit zu überwinden, verließ New Horizons die Erde mit einer Rekordgeschwindigkeit von über 58.000 km/h. Ein entscheidendes Manöver fand im Februar 2007 statt: Der Vorbeiflug am Gasriesen Jupiter. Die Sonde nutzte die enorme Schwerkraft des Jupiters für ein sogenanntes Swing-by-Manöver (Gravitationsassistent), das sie um weitere 14.000 km/h beschleunigte und die Reisezeit zum Pluto um drei Jahre verkürzte.

Während des Großteils der verbleibenden Reise wurde New Horizons in einen elektronischen Winterschlaf (Hibernation) versetzt, um die Bordsysteme zu schonen und die Energiereserven der Radionuklidbatterie zu maximieren.

Das historische Rendezvous mit Pluto (2015)

Am 14. Juli 2015 erreichte die New Horizons Mission schließlich ihren spektakulären Höhepunkt. Die Sonde flog in einer Entfernung von nur 12.500 Kilometern über die eisige Oberfläche des Zwergplaneten Pluto hinweg. Da die Sonde nicht in eine Umlaufbahn eintreten konnte – sie war dafür viel zu schnell –, mussten alle wissenschaftlichen Daten während dieses kurzen Vorbeiflugs gesammelt werden.

Die Bilder und Messdaten, die New Horizons zur Erde funkte, revolutionierten unser Verständnis des äußeren Sonnensystems. Anstatt einer toten, von Kratern übersäten Eiswelt offenbarte Pluto eine erstaunlich dynamische und geologisch aktive Oberfläche. Die berühmteste Entdeckung der New Horizons Mission ist „Sputnik Planitia“ – eine gewaltige, herzförmige Ebene aus gefrorenem Stickstoff, die frei von Einschlagskratern ist und auf geologische Prozesse hindeutet, die bis in die Gegenwart andauern.

Zudem analysierte die Sonde Plutos größte Mondin, Charon, und entdeckte dort gigantische Canyons und eine rötliche Polkappe. Auch Plutos dünne, blaue Stickstoffatmosphäre wurde im Gegenlicht der Sonne in atemberaubenden Bildern festgehalten.

Arrokoth und die Erforschung des Kuipergürtels

Nach dem erfolgreichen Pluto-Rendezvous war die New Horizons Mission noch lange nicht beendet. Die NASA lenkte die Sonde tiefer in den Kuipergürtel hinein – eine ringförmige Region jenseits der Neptunbahn, die aus Überresten der Entstehung unseres Sonnensystems besteht.

Am 1. Januar 2019 schrieb New Horizons erneut Geschichte, als sie in rund 6,5 Milliarden Kilometern Entfernung von der Erde am Kuipergürtel-Objekt (486958) Arrokoth (ursprünglich „Ultima Thule“ genannt) vorbeiflog. Arrokoth erwies sich als sogenannter „Contact Binary“ – zwei aneinander haftende, eisige Körper, die wie ein rötlicher Schneemann aussehen. Dieser Vorbeiflug machte Arrokoth zum am weitesten entfernten und ursprünglichsten Objekt, das jemals von einer menschlichen Raumsonde aus der Nähe untersucht wurde.

Wo ist New Horizons heute?

Heute befindet sich New Horizons auf einer Flugbahn, die sie letztendlich aus unserem Sonnensystem in den interstellaren Raum führen wird, ähnlich wie zuvor die Voyager Sonden. Die Bordinstrumente sind weiterhin aktiv und sammeln unschätzbare Daten über die Staubdichte, den Sonnenwind und die Teilchenstrahlung in den äußersten Randgebieten der Heliosphäre. Die New Horizons Mission liefert somit weiterhin bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse und wird voraussichtlich noch bis weit in die 2030er Jahre hinein mit der Erde kommunizieren können.